Der Damast-Webstuhl

Teures Tuch aus bedrückender Enge

Mechanik eines Webstuhls
Mechanik eines Webstuhls, fotografiert im Deutschen Damast- und Frottiermuseum Großschönau

In den Stuben war es eng, kaum mehr als 20 m² hatten sie Platz. Die Decke hing niedrig. Im Sommer drang Tageslicht durch die kleinen Fenster. Im Winter und an den Abenden flackerte spärliches Kerzenlicht oder der sparsame Schein der Öllampen. Ein kleiner Tisch stand in einer Zimmerecke, eine Truhe oder ein Schrank in einer anderen; vielleicht gab es einen kleinen Kachelofen; an den Fenstern standen Bänke aus Holz, ein Schemel für die Mutter, die hier Kartoffeln schälte, kochte, den Säugling stillte. Den größten Teil des Raumes nahm der Webstuhl ein. Ein wuchtiges Ding, so groß wie ein Konzertflügel. Er war das Zentrum des Lebens. Er gab den immer gleichen Rhythmus vor. Laut, monoton – 12, 14, manchmal 16 Stunden am Tag.

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Antigone am Staatsschauspiel Dresden

Gegen das Gesetz – Ziviler Ungehorsam als moralische Pflicht

Kreon, König von Theben erließ ein Gesetz, sprach ein Urteil: Polyneikes hat die Stadt, das Volk verraten und darf, im Krieg von seinem Bruder Eteokles getötet, nicht begraben werden. Das Gesetz gilt für jeden. Selbst Antigone, die Nichte Kreons, Schwester Polyneikes‘, steht unter dem Gesetz. Auch sie darf ihren Bruder nicht begraben. Und tut es dennoch – aus Gehorsam gegenüber den Geboten der Götter und aus Liebe zu ihrem Bruder.

Antigone begeht den Akt des zivilen Ungehorsams – stellt sich gegen das Gesetz, das Volk, den Staat, den König. Sie folgt ihren inneren Gesetzen. Sie ist bereit, die Folgen zu tragen, ihr Schicksal anzunehmen. Es gibt viele, die ihr gleichen; selbst in der heutigen schicksalsvergessenen Zeit: Edward Snowden, Chelsea Mannings, Pfarrer Lothar König, die Menschen des Tahir-Platzes, die Demonstranten vom Gezi-Park…

Deshalb ist es gut, dass Sophokles‘ Antigone am Staatsschauspiel Dresden zu sehen ist und der antike Stoff gekonnt mit aktuellen Diskussionen verknüpft wird.

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Die Natur der Kinder

Eine Theater-Collage auf der Bürgerbühne Dresden

“Ein optimales Klima wie im Kinderparadies." - Szene aus dem Theaterprojekt: "Die Natur der Kinder"
“Ein optimales Klima wie im Kinderparadies.“ – Szene aus dem Theaterprojekt: „Die Natur der Kinder“
Fotos: (c) René Schlücker

Es ist noch nicht so lange her, dass man Kinder als kleinwüchsige Erwachsene betrachtete. Noch am Anfang des 20. Jahrhunderts war es normal, dass ein 12-Jähriger genauso hart arbeitete wie ein Erwachsener und im Zweifel ebenso hart behandelt wurde. Erst im letzten Jahrhundert erkannte man, dass Kinder einen besonderen Schutz brauchen. Und dass sie sich besser entwickeln, wenn man sie in einer „kindgerechten“ Umgebung aufwachsen lässt.

Was aber ist „kindgerecht“? Was brauchen Kinder wirklich? Da gehen die Vorstellungen der interessierten Erwachsenen je nach politischem Standpunkt und Weltbild weit auseinander. Dabei ähneln sich die Behauptungen der Erwachsenen am Ende doch erschreckend. Die sehenswerte Theater-Collage der Bürgerbühne Dresden erklärt die Natur der Kinder und was Kinder angeblich so alles brauchen. Die Kinder selbst sind die Hauptdarsteller.

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Fotografien „Betongartenträume“ als Edition

Jetzt alle Fotografien der „Betongartenträume“ als Print-Edition aufgelegt

Fotografien von Blumen: Betongartenträume 01 - Der Weise
Die Fotoserie „Betongartenträume“ wurde als Print-Edition (limitiert auf 5 Exemplare) aufgelegt. Der hochwertige Druck auf Hahnemühle Photo Rag bright white kann ab sofort erworben werden.

Herausragende Fotografien, so haben wir gelernt, stehen für sich allein. Es braucht keinen Text, um sie zu erklären. Das Bild ist stark genug, um den Betrachter in seinen Bann zu ziehen, ihn zu fesseln und ihm eine ganze Geschichte zu erzählen.

Dem möchte ich nicht widersprechen. Dennoch habe ich vor einigen Jahren eine Serie mit Fotografien von Blumen aufgenommen, Bilder, die mich in ihrem seriellen Kontext dazu zwangen, sie durch Texte zu erweitern.

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Gooseberry – Der neue Blender-Film

Wie ein Animationsfilm hilft, die Software für Künstler zu verbessern

Project Gooseberry unterstü
Unterstützt Gooseberry, den neuen Animationsfilm der Blender Foundation. Project Gooseberry ist eine abendfüllende Produktion, die sich nicht hinter Hollywood zu verstecken braucht.

Software für Künstler zu schreiben ist sicher keine einfache Sache. Die Welten, in denen Programmierer denken, befinden sich oft in ganz anderen Universen als die der Künstler. Dennoch kann es gelingen.

Die Blender Foundation, welche die kostenlose Open Source 3D- und Video-Software Blender 3D entwickelt, geht dazu einen ganz eigenen Weg. Anstatt einfach nach Gutdünken oder in Abarbeitung der Wunschlisten Features zu programmieren, holt sie anerkannte Künstler zu einem gemeinsamen Projekt zusammen. Und passt, während die Künstler einen Film erstellen, die eigene Software an deren Anforderungen an.

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